Kurzbiografie Schulleiter

Zu meiner Person: Ich wurde im Mai 1972 geboren und absolvierte den ostdeutschen Bildungsweg von der Grundschule bis zum Beruf mit Abitur. Danach kamen Zivildienst und ein Studium an der HTWK-Leipzig. 1996 schloß ich mein Studium als Diplom Bauingenieur mit einer Spezialisierung für Statik und Tragwerksplanung ab. Aktuell bin ich in einem kleinen Ingenieurbüro für Bauwesen im ländlichen Raum angestellt. Zurzeit beschäftigen wir uns hauptsächlich mit gewerblichen und landwirtschaftlichen Ingenieur- und Hochbauten.
Ich bin verheiratet und habe einen Sohn Julien, geb. im Jahr 2000.
Ich leite mehrere WingTsun- und Escrima-Schulen. Mein Si-Fu ist Prof. Keith Ronald Kernspecht. Ich bin seit 1991 Mitglied in der EWTO und seit 1996 offiziell Ausbilder der EWTO. 1991 habe ich zum ersten mal als Assistent beim Unterrichten ausgeholfen. Kontinuierlich nehme ich am Weiterbildungsprogramm der EWTO Teil. So besuche ich regelmässig den Unterricht von Meister Thomas Dietrich und von Dai-Sifu Thomas Schrön. sowie die Leadershipausbildung von Dai-Sifu Oliver König.
Meine Trainingsgruppen sind im Landkreis Leipzig zu Hause.

 

Mein Weg zum WingTsun ("Kampfkunstlebenslauf" zur Erlangung des 1. Lehrergrads)

In meinem vorliegenden „Kampfkunstlebenslauf“ möchte ich darstellen wie und warum ich zum WingTsun gekommen und warum ich WingTsun–Lehrer werden wollte.
Ich denke, begonnen hat alles in der Schulzeit.
Von der ersten bis zur vierten Klasse fand mein Unterricht in einer kleinen Dorfschule statt. Da wir nur fünf Schüler waren, ging alles sehr familiär zu. Ab der fünften Klasse wurden wir in eine größere Schule umgeschult. Als »Neue« waren wie am Anfang oft Ziel von manchen Neckereien. Besonders die Parallelklassen machten mir zu schaffen. Wie vielleicht bei anderen auch, wuchs in mir als 12-jähriger der Wunsch, es den „Stänkerfritzen“ einmal so richtig zu zeigen, oder ihnen einen Denkzettel zu verpassen. Leider war ich eher ein schlaksiger Typ. Meine Stärken lagen in Mathe und in den Naturwissenschaften und nicht im Raufen und Rumschubsen. Zum Glück wurde damals irgendwann mein Freund in meine Klasse versetzt. Der war auch nicht schlecht in der Schule aber er war zusätzlich den meisten körperlich reichlich überlegen. Damit endeten die Stänkereien. Was blieb, war das ungute Gefühl, was passiert, wenn niemand da ist, der einen rausboxt. Damals wuchs erstmals der Gedanke, ein Kampfsystem zu erlernen, um bei körperlicher Bedrohung gewappnet zu sein.
Doch es blieb bei einer Idee, einer Wunschvorstellung.
Kampfsport war bis auf die wenigen olympischen Disziplinen in der DDR verboten. Es gab nur Ringen, Boxen, Judo oder Fechten. Ringen und Boxen wurde ansatzweise im regulären Schulsport unterrichtet. Judo wurde meist in irgendeiner Form von den damaligen Sicherheitsorganen betrieben. Aber alle diese Sportarten schienen mir nicht das Richtige zu sein.
Mit Ende der zehnten Klasse haben mich dann die Filme von Bruce Lee im »Westfernsehen« begeistert. Irgendwann 1989 sah ich eine Show von Kaskadeuren (ostdeutsche Stuntmen). Die beiden Akteure zeigten Bruchtests, Katas, die sie wahrscheinlich aus einem Buch abgeschaut hatten, und Techniken mit dem Schwert und dem Nunchaku. Am nächsten Tag wurde in der väterlichen Werkstatt der erste Nunchaku-Selfmade-Prototyp aus Hammerstilen zusammengebastelt ......reichlich grob und unhandlich. Meinen Schulfreund konnte ich ebenfalls für das Nunchaku begeistern. Danach folgten viele Stunden des Übens, mehrere Beulen und unendlich viele blaue Flecke. Da ich weder ein Buch hatte noch einen Lehrer befragen konnte, trainierte ich ausschließlich Schlagtechniken in Kombinationen aus jeder beliebigen Richtung. Glücklich war ich immer, wenn ein Bruce Lee Streifen im Fernsehen lief und diverse Kampftechniken gezeigt wurden. Einen Videorecorder zum Aufzeichnen gab es im Osten eigentlich nicht.
Später viel mir ein Buch von Bruce Lee in die Hand. Ich war sehr überrascht und erfreut, als ich feststellte, dass 90% der darin dargestellten Techniken dem entsprach, was ich trainierte. Zusätzlich zum Nunchaku übte ich Liegestütze, diverse Tritte und Dehnung.
Mit meinem Schulfreund versuchten wir auch Selbstverteidigungstechniken mit dem Nunchaku zu praktizieren. Speziell die Variante Nunchaku gegen Stock wurde von uns nach kurzem Probieren ohne Schutzausrüstung als deutlich zu gefährlich abgetan.
Mir ist bekannt, dass das Nunchaku nach dem deutschen Waffengesetz als Würgeholz verboten ist. Ich denke, in der ehemaligen DDR hätte ich mir mit dem Teil auch reichlich Ärger eingehandelt. Zum Sinn und Unsinn von Waffenverboten möchte ich hier nicht Stellung nehmen. Auch nicht, ob Waffen zur Selbstverteidigung geeignet sind. Fest steht, das z.B. die Softvariante des Nunchakus prima geeignet ist, um Koordination und Kondition zu schulen. Aber andere Trainingsgeräte eignen sich auch dafür.
Für meine Lehre und das Abitur zog ich nach Zwickau um. Hier hatte ich zum ersten mal die Möglichkeit am Kampfsporttraining teilzunehmen. In der DDR gab es eine große Jugendorganisation, die FDJ (Freie Deutsche Jugend in der BRD verboten). In ihr waren, bis auf wenige Ausnahmen, alle Jugendlichen ab der achten Klasse quasi pflichtorganisiert. Diese Organisation veranstaltete regelmäßig ein Treffen in Berlin, den meisten Ostdeutschen sicherlich als Pfingsttreffen bekannt. Für dieses Pfingsttreffen wurde eine Ordnungsgruppe zusammengestellt und weil diese Ordnungsgruppe im Kampfsport unterrichtet wurde, bewarb ich mich um eine Mitgliedschaft. Das Training wurde durch Judo-Dan-Träger und Polizisten geleitet und bestand zum großen Teil aus Kondition, etwas Abhärtung der Handgelenksknöchel und ein wenig Selbstverteidigung. Zum Pfingsttreffen wurden wir alle einheitlich eingekleidet. Wir liefen in schwarzen Jeans, Blauhemd, blauer Parka und rotem Barett auf. Das Blauhemd war die offizielle Verbandsbekleidung der FDJ. Zusätzlich wurden wir militärisch in Gruppen und Züge geordnet.
Im nachhinein kann ich nur sagen, zum Glück mussten wir uns nie wirklich wehren oder unter körperlichem Einsatz für Ordnung sorgen. Wir hätten sicherlich Prügel bezogen. Alles, was wir glaubten erlernt zu haben, war großer Quatsch. Ausschließlich unser Aufmarsch im Gleichschritt, die Uniform und die Masse der Leute mussten reichen, um Respekt einzuflößen. Zu unseren Aufgaben gehörte auch die Verstärkung der Polizei bei einem Fussball-Liga-Spiel des 1. FC Union Berlin. Die Fans dieser Mannschaft galten als sehr aggressiv. Glücklicher Weise gehörten wir nur zur Reserve der Ordnungsorgane und das Spiel endete friedlich.
In Zwickau wohnte ich im Internat. Hier lernte ich auch Thomas Goldhahn (jetzt WingTsun-Lehrer in Freiberg) kennen. Er war begeisterter Judoka und trainierte heimlich Karate in Schwarzenberg. Seine Trainer waren Malte Leistner und sein Vater Andreas Goldhahn (jetzt WingTsun-Lehrer in Schwarzenberg). Ob Malte Leistner noch Kampfsport bzw. WingTsun betreibt, kann ich nicht sagen. Malte Leistner war Offizier bei der NVA (Nationale Volksarmee der ehemaligen DDR) und begeisterter Kampfsportler. Aus Büchern und Filmen wurden Techniken abgeschaut und bis zur Perfektion gedrillt. Alles jedoch immer unter dem Deckmantel eines Judovereins. Als Kampfsportbegeisterter schloss ich mich Thomas Goldhahn an. So kam es, dass ich barfuß mit ihm im Internat über die Wiese stapfte und meine Mitbewohner sich am Fenster köstlich über uns amüsierten.
Kurz nach der Grenzöffnung und der Währungsunion im Jahr 1990 lud mich Thomas Goldhahn zum Training nach Schwarzenberg ein. Sein Lehrer, Malte Leistner, hatte einen Kampfkünstler aus dem so genannten „Westen“ kennen gelernt, der ihm ein völlig anderes System unterrichtete. Nach den Aussagen von Thomas hatte der Kampfkünstler seinen Lehrer Malte beim Demonstrieren mehrfach in ein Bücherregal befördert. Ich war fest entschlossen, mir dieses Kampfsystem anzuschauen. So fuhren wir mit meinem Motorrad zum Training nach Schwarzenberg. Dort lernte ich meinen ersten WT-Lehrer Malte Leistner kennen. Heute ist mir bewusst, dass Sihing Malte damals höchstens den vierten Schülergrad hatte. Trotzdem überzeugten mich sein sympathisches Wesen und seine professionelle Art zu unterrichten. Wir trainierten hauptsächlich den ersten und zweiten Satz der Siu Nim Tao. Sowie das Pak Sao + Fauststoß-Spiel und verschiedene Selbstverteidigungstechniken wobei eine Mischung aus Karate und WingTsun zur Anwendung kamen. Es ist unglaublich, wie viele Leute damals geduldig und ohne zu murren Grundtechniken übten. Mein Sihing erzählte mir auch, wie er zum WingTsun gekommen war.
Mein Sihing hatte sich intensiv mit Karate beschäftigt und wollte sich mit seinem Trainingspartner im Zweikampf messen. Dabei musste er feststellen, dass seine akkuraten Techniken nichts taugten und er immer wieder ins Boxen und Treten verfiel. Als ein von Techniken überzeugter Mensch suchte er nach einem System, dass sowohl Technik als auch Effektivität beinhaltete. Er glaubte, es beim Jeet Kun Do gefunden zu haben. Auf der Suche nach einem geeigneten Lehrer stieß er auf einen WingTsun-Lehrer aus Nürnberg. WingTsun war in der damaligen DDR völlig unbekannt.
Seit dem ersten Probetraining gingen wir regelmäßig zum Unterricht.
1991 lernte ich auf einem Lehrgang auch den Lehrer von meinem Sihing kennen. Es war der damalige Nürnberger WingTsun-Lehrer Wolfgang Träger. Wolfgang Träger hat später die EWTO verlassen und unterrichtet jetzt sein eigenes System. Persönlich bedaure ich es, dass er nicht mehr Mitglied der EWTO ist. Ich erinnere mich, dass ich damals unglaublich aufgeregt war, da ich meinen ersten Schülergrad ablegen wollte.
Mein Sihing hatte damals einen Ausbildungsvertrag mit dem europäischen WingTsun-Hauptquartier abgeschlossen um möglichst schnell seine Qualifikation als WingTsun-Lehrer zu erreichen. Obwohl er noch keinen Lehrergrad hatte unterrichtete er mit viel Hingabe und viel Improvisationsgeschick. Nachdem ich im Juli 1991 den dritten Schülergrad erreicht hatte, nahm mich mein Sihing zur Seite und fragte mich, ob ich ihm beim Unterrichten helfen könne. Ich war unglaublich stolz und ich versprach mein Bestes zu tun, um im WingTsun vorwärts zu kommen. Ich besuchte jeden Gruppenunterricht und nahm regelmäßig Privatstunden.
1991 schloss ich meine Berufsausbildung mit Abitur in Zwickau vorzeitig ab. Ich zog wieder in meinen Heimatort und begann in der benachbarten Stadt meinen Zivildienst. Gemeinsam mit meinen Sihing Malte Leistner begann ich in Flößberg eine WingTsun Klasse aufzubauen. Da er oft zum Training ins EWTO-Hauptquartier fuhr, vertrat ich ihn so gut es ging. Ich wusste sehr wenig vom WingTsun und mein Können wahr eher bescheiden. Trotzdem waren oft 20 bis 25 Personen beim Unterricht anwesend.
Oft geschah es, dass ich beweisen musste, dass WingTsun wirklich funktioniert. Mir blieb meist nichts anderes übrig, als mich mit roher Gewalt, Kampfgeist und einer gehörigen Portion Optimismus im wahrsten Sinne des Wortes durchzuboxen. Meistens funktionierte diese Methode und das spornte mich an, immer mehr zu trainieren um noch besser zu werden. Wahrscheinlich habe ich damals mit diesem Vorgehen auch einige Schüler verschreckt. Fast jedes Wochenende fuhr ich mit meinen Trabant von Flößberg nach Schwarzenberg um Privatunterricht zu nehmen und zusätzlich in den anderen Schulen meines Sihings zu trainieren. So kamen pro Woche ca. 400 WT-Kilometer zusammen.
Später hatte mein Sihing Malte einen schweren Verkehrsunfall und lag mehrere Wochen im Krankenhaus. Für mich stand sofort fest, dass ich meinen Sihing so gut es geht unterstützen würde. In dieser Zeit leitete ich den Unterricht selbstständig. Ich besuchte meinen Sihing am Krankenbett und diskutierte mit ihm über Wing Tsun. Danach fuhr ich zu meinen Trainingspartnern aus Schneeberg oder nach Schwarzenberg und wir übten wie besessen. Einer von denen hat mittlerweile seinen eigenen Verband gegründet.
1995 meldete ich meine erste eigene WT-Schule bei der EWTO an. Von da an stand für mich fest, dass ich WingTsun professionell unterrichten möchte. 1997 zog sich Sihing Malte vom Unterricht zurück. Er hatte ständig Probleme mit seinem Knie, als Folge des Verkehrsunfalls. Auch wollte er sich beruflich verändern. Wir berieten gemeinsam, was mit den vorhandenen WT-Gruppen passieren sollte. Ich übernahm drei seiner WT-Schulen in meinem Umfeld. Zu den Schulen gehörten die Orte Colditz, Borna und Flößberg. Die Schule in Colditz wird jetzt von einen meiner ehemaligen Schüler betreut. Die Schule in Flößberg musste ich später aus Mangel an Mitgliedern schließen. Borna existiert noch heute. Die anderen Schulen übergab er seinem Trainingspartner Andreas Goldhahn.
In den zurückliegenden Jahren hatten Andreas Goldhahn und ich ein sehr inniges Verhältnis zum WT-Lehrer aus Nürnberg aufgebaut. Wolfgang Träger gab bei uns oft Lehrgänge und nahm Prüfungen ab. Wir fuhren zu ihm und wir nahmen regelmäßig Privatunterricht, um unser WingTsun zu verbessern. Ich war immer froh, auf sein Wissen und Können zurückgreifen zu können.
Als Wolfgang Träger aus der EWTO ausgetreten war, wusste ich nicht, an wem ich mich orientieren sollte. Ich besuchte viele Lehrgänge von verschiedenen WT-Lehren. Viele davon sind heute nicht mehr Mitglied der EWTO. Obwohl alle WingTsun unterrichteten, waren die Art und Weise des Unterrichts und die gesetzten Schwerpunkte oft sehr verschieden. Manchmal ist es passiert, dass auf einem Lehrgang Sachen unterrichtet wurden, die auf einem anderen Lehrgang „verteufelt“ wurden.
Mittlerweile denke ich, dass es am Besten ist, WingTsun so nah wie möglich von der Quelle zu erlernen. Deshalb fahre ich so oft wie möglich in das EWTO-Hauptquartier. Oder ich besuche die Lehrgänge der “Schlossausbilder”. Zum Glück finden bei uns in Sachsen regelmäßig Lehrgänge mit Sifu Thomas Schrön statt. Bis jetzt war Si-Fu Keith R. Kernspecht auch jedes Jahr einmal in Dresden. Ausgezeichnet finde ich, dass Sigung Leung Ting sich entschlossen hat, Tutorials abzuhalten. In den letzten Jahren konnte ich an mehreren Tutorials teilnehmen. Mir hat es ausgezeichnet gefallen, und ich habe mir vorgenommen, die nächsten ebenfalls zu besuchen.
Mein nächstes Ziel, ist Sifu zu werden und meine eigene Schülergeneration begründen zu können.

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